Der Medientalk: Wer finanziert die vierte Gewalt?
Wie kann qualitativ hochwertiger und unabhängiger Journalismus in Zeiten einbrechender Werbeerträge und veränderter Nutzungsgewohnheiten überleben? Diese Frage stand im Mittelpunkt des jüngsten Medientalks im Polit-Forum Bern. Vertreter:innen aus Medien, Politik und Verwaltung sind sich einig: Der Lokaljournalismus steht unter massivem Druck und braucht neue Fördermodelle auf Kantons- und Bundesebene. Offen bleibt allerdings die Frage der zielführendsten Ausgestaltung der Medienförderung.
Als Grundlage und Einführung für die anschliessende Diskussion diente das Referat von Samuel Studer, Leiter der Gruppe Medienforschung beim Bundesamt für Kommunikation (BAKOM). Studer skizzierte anhand des aktuellen Medienstrukturberichts (Medienstrukturbericht 2025) die tiefgreifenden Veränderungen in der Schweizer Medienlandschaft: Nutzungsrückgang, Aufstieg von Social Media, Einbruch bei den Werbegeldern und Marktkonzentration.
Unter der Leitung von Isabel Pfaff, Wirtschafts- und Medienredaktorin bei Radio SRF, diskutierten drei beklannte Persönlichkeiten mit engem Medienbezug über mögliche Lösungsansätze:
- Joël Widmer – Mitgründer und Journalist des Berner Online-Mediums «Hauptstadt» sowie Co-Präsident des Verbandes «Medien mit Zukunft»;
- Barbara Schaffner – Nationalrätin (Grünliberale Partei/ZH) und Urheberin verschiedener medienpolitischer Vorstösse auf Bundesebene;
- Simon Koch – stellvertretender Leiter der Kommunikation des Kantons Bern, Mitverantwortlicher des kantonalen Newsrooms und Experte für staatliche Informationspolitik.
Der Berner Journalist Joël Widmer machte deutlich, dass insbesondere unabhängige digitale Angebote noch immer auf keine staatlichen Finanzierungsquellen zugreifen können. Mit Blick auf den schrittweisen Wegfall des Printgeschäfts warnte er vor einer «Implosion» der regionalen Medienlandschaft in den kommenden Jahren. Für ihn ist klar: Ohne gezielte politische Massnahmen zur Förderung journalistischer Leistung droht ein substanzieller Verlust an demokratischer Vielfalt und Kontrolle.
Vor diesem Hintergrund plädierte Nationalrätin Barbara Schaffner für ein modernes, kanalunabhängiges Fördersystem, das konsequent bei der journalistischen Leistung ansetzt. Entscheidend sei nicht die Verbreitungsform, sondern die Qualität und Intensität der Recherche. Eine solche Förderung könne – gestützt auf transparente und inhaltlich neutrale Kriterien – wirksam zur Sicherung eines qualitätsvollen und vielfältigen Mediensystems beitragen. Gerade in einer Zeit zunehmender Medienkonzentration und wirtschaftlicher Abhängigkeiten sei eine starke, öffentlich legitimierte Unterstützung ein zentraler Baustein zur Sicherung der publizistischen Unabhängigkeit.
Demgegenüber unterstrich Simon Koch die Bedeutung indirekter Fördermodelle und verwies auf den Ansatz des Kantons Bern: Dieser leiste einen Beitrag zur Stabilisierung zentraler Infrastrukturen wie Nachrichtenagenturen sowie zur Förderung von Ausbildung und Medienkompetenz. Gleichzeitig zeigte sich auch auf kantonaler Ebene die Einsicht, dass bestehende Instrumente weiterentwickelt werden müssen, um den Wandel im Mediennutzungsverhalten und in der Finanzierung der journalistischen Produktion aufzufangen.
Trotz der «brutalen Lage» der Branche endete die Diskussion mit einem Hoffnungsschimmer: Neue, kreative Initiativen und die ungebrochene Leidenschaft junger Medienschaffender zeigen, dass die journalistische Szene lebendig bleibt. Dennoch wurde klar: Ohne ein baldiges politisches Handeln und eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, was uns eine unabhängige Berichterstattung als Fundament der Demokratie wert ist, steht die Vielfalt der Schweizer Medienlandschaft auf dem Spiel.
Die vollständige Diskussion inklusive des BAKOM-Referats kann im YouTube-Livestream nachgeschaut werden: Polit-Forum Bern - Medientalk